medienkundig
Ein interaktives Startup für Medienkompetenz. Es unterstützt Erwachsene zwischen ungefähr 45 und 80 Jahren dabei, digitale Täuschung im Alltag zu erkennen und darauf zu reagieren: Phishing, Betrugsanrufe, KI-geklonte Stimmen und gefälschte Nachrichten. Das Produkt entstand aus Design-Science-Forschung und befindet sich heute in der Finanzierungsphase.
Startup-Team aus zwei Personen · Mein Anteil: Zielgruppenforschung, Persona- und Szenarioarbeit, Ableitung von Anforderungen, Produktrichtung sowie Marke und Designsystem mit Logo, Maskottchen, Farben und Typografie.
30-SEKUNDEN-ÜBERBLICK
Das Projekt auf einen Blick.
- Aufgabe
- Menschen zwischen ungefähr 45 und 80 Jahren dabei unterstützen, digitale Betrugsversuche zu erkennen und passende Reaktionen einzuüben.
- Mein Anteil
- Zielgruppenforschung, Anforderungen, Produktkonzept, Personas und Szenarien sowie Marke und Designsystem.
- Team
- Zweiköpfiges Start-up-Team, ergänzt durch Teilnehmerforschung und zwei Fachinterviews mit der Polizei.
- Zeitraum
- Start-up · Finanzierungsphase · 2026
- Umgesetzt
- Ein funktionierendes MVP mit Onboarding, szenariobasierter Erhebung und angeleiteten Lernübungen.
- Ergebnis
- Das Produkt wird nach seiner Forschungsphase als Start-up weitergeführt. 241 auswertbare Antworten aus einer Befragung und ein Feldtest mit rund 206 erreichten Personen bilden die Grundlage für die nächste Phase.
Die Zielgruppe zeigte den Ausgangspunkt
Eine offene Befragung mit 241 auswertbaren Antworten im Juli 2026 und zwei schriftliche Fachinterviews mit Berliner Polizeibeamten zeigten wiederkehrende Einstiege in Betrugsversuche. Dazu gehörten der Enkeltrick über SMS oder WhatsApp und ein dokumentierter Schockanruf mit der KI-geklonten Stimme eines Familienmitglieds.
“Die Befragten nannten die eigentliche Hürde selbst: fehlende Routine, Zeitdruck und die Angst, im entscheidenden Moment etwas falsch zu machen.”
Kapitel 4.2, bachelorarbeit-04-methode.mdWelche Annahmen lagen dem Produkt zugrunde?
Ein MoSCoW-Anforderungskatalog ordnet Funktionen als Muss, Soll oder Kann ein und verbindet jede Anforderung mit einer Begründung. Einige Entscheidungen wurden erst nach dem Feldtest abgeschlossen.
Einfacher Einstieg ohne Anmeldehürde
Viele Personen begannen den Ablauf, brachen aber bei der Registrierung ab.
Anmeldung als „Fortschritt speichern“ erklären
Das Wort „Konto“ löste Sorge vor Datendiebstahl aus; der Ablauf der Anmeldung wurde nicht verstanden.
Tinti, der Oktopus
Das Maskottchen entstand aus Befragungsdaten. 40 % der Befragten wollten überhaupt keine Begleitfigur. Bei den übrigen 60 % wurden Tiere bevorzugt; in einer Folgebefragung erhielt der Oktopus 39 % aller Nennungen und wurde von 8 von 10 Personen mindestens einmal gewählt. Wegen der Ablehnung durch 40 % erscheint Tinti nur sparsam beim Onboarding und in Feedbackmomenten.





Welche Technik wurde eingesetzt und warum?
Ein pnpm-Monorepo verbindet eine Astro-Website mit einer React/Vite-Web-App und sechs gemeinsamen Paketen. Supabase übernimmt Postgres, Row-Level Security, Authentifizierung einschließlich anonymer Sitzungen, Speicher und Edge Functions. Lokal laufen Docker Compose und Caddy, im Betrieb ein Hetzner-VPS über Coolify. Resend versendet E-Mails, Cloudflare Turnstile schützt vor Bots, Sentry und PostHog liefern Betriebsdaten. Playwright, axe-core und ein eigenes Lint-Skript für das Designsystem laufen als `pnpm verify` in der CI. Dokumentierter Stand: 52 SQL-Migrationen, 13 definierte Übungstypen, davon 7 funktionsfähig.
“KI liefert sehr schnell Vorschläge und liegt dabei manchmal überzeugend falsch. Als Sparringspartner war sie hilfreich; Architektur, Tests und endgültige Entscheidungen blieben durchgehend unsere Verantwortung.”
Kapitel 6.3 — zur Entwicklung mit Claude Code („Vibe Coding“)Jeder Hinweis verweist auf umgesetzten Code
Ansichten der Website mit Hinweisen an den tatsächlichen interaktiven Elementen und Verweisen auf Code aus dem Repository.
Was tatsächlich getestet wurde
Die geplante Untersuchung orientierte sich an ISO 9241-11 mit Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit. Vorgesehen waren moderierte Usability-Tests, Thinking-Aloud, Eye-Tracking, SUS und UEQ sowie Felddaten aus PostHog und Sentry.
Moderierter Usability-Test
Thinking-Aloud mit 2–4 Teilnehmenden aus dem persönlichen Umfeld.
Unmoderierter Feldtest
Ungefähr 206 Personen über WhatsApp und persönliche Weiterleitung erreicht, ohne Partnerkanal.
Eye-Tracking, SUS, UEQ
In der ursprünglichen Thesis-Phase aufgrund der Teamgröße und des verfügbaren Forschungszeitraums nicht durchgeführt.
Ergebnisse des Feldtests
“Der deutliche Rückgang zwischen den 86 %, die sich mit den Onboarding-Fragen beschäftigten, und den 2 %, die sich anschließend registrierten, lässt sich mit dem qualitativen Feedback teilweise erklären: Das Wort „Konto“ löste bei einem Teil der älteren Zielgruppe sofort Sorge vor Datendiebstahl aus.”
Kapitel 7.2.6, kapitel-7-evaluation-und-schluss.mdDies ist ein kleiner, unmoderierter Feldtest ohne Partnerkanal. Die Werte sind keine allgemeine Konversionsrate und keine Aussage gegen das geplante B2B2C-Modell.
Was ich anders machen würde
Eine zweite Person in die Forschung einbeziehen
Ich entwickelte die Produktidee und leitete zugleich die Zielgruppenforschung. Das Risiko eines Bestätigungsfehlers war bekannt, ließ sich allein in der ursprünglichen Thesis-Phase aber nicht vollständig ausschließen.
Geschäftslogik ebenso testen wie das Interface
Ein großer Teil des Codes entstand mit KI-Unterstützung. Automatisierte Tests für die Geschäftslogik fehlen noch und sind gerade deshalb wichtig.
Die formale Accessibility-Prüfung durchführen
ARIA und Fokusdarstellung wurden während der Entwicklung berücksichtigt. Eine formale Prüfung nach WCAG 2.2 und EN 301 549 fehlt noch und hätte für diese Zielgruppe früher stattfinden sollen.
Nur 7 von 13 geplanten Übungstypen funktionieren. Ein Einstufungstest ist vollständig gebaut, aber nicht angeschlossen. Ein XP-Zähler wird serverseitig korrekt berechnet, aber nicht angezeigt; das Team fand diesen Verdrahtungsfehler selbst. Supabase ist eine bewusste Abhängigkeit von einem Anbieter.
Digital-Kompass und BAGSO sowie das Polizeiprogramm „Sicher Handeln“ sind mögliche Partner. Für Banken und Versicherungen ist bisher kein vergleichbarer Kooperationsweg dokumentiert; dieser Weg bleibt offen und ungeprüft.



