Medienkundig beginnt mit drei kurzen Übungen, für die Sie sich nicht anmelden müssen. In einer Aufgabe nehmen Sie eine Webadresse auseinander: Welcher Teil ist die Domain, woran erkennt man die verschlüsselte Verbindung, und was bezeichnet die Unterseite?
Sie setzen die Begriffe an die passende Stelle und prüfen Ihre Antwort. Danach erklärt die App die Bestandteile. Wer etwas verwechselt hat, sieht also auch, worauf es beim nächsten Versuch ankommt. Hier geht es zu den Übungen.
Jacqueline Lehmann und ich haben Medienkundig im Rahmen unseres Mediendesignstudiums entwickelt. Uns beschäftigt die Frage, wie ältere Erwachsene den Umgang mit digitalen Täuschungen üben können. Auch die Bedienung entscheidet darüber, ob das Lernen gelingt: Wer eine Schaltfläche nicht versteht oder schon beim Zugang hängen bleibt, erreicht die eigentliche Übung womöglich gar nicht.
Erfahrungen aus dem ersten Test
In der Bachelorarbeit vom 14. August 2026 beschreiben wir einen frühen Feldtest vom 2. bis 5. August. Über Weiterempfehlungen erreichte die Anwendung 50 Personen. 43 bearbeiteten die Einführungsfragen. Anschließend registrierte sich eine Person.
In den Rückmeldungen zu den Abbrüchen wurde deutlich: Einigen war nicht klar, wie es weitergeht; andere hatten Bedenken, ein Konto anzulegen. Der heutige Einstieg sagt deshalb ausdrücklich: Sie brauchen zunächst kein Konto. Erst nach den Übungen entscheiden Sie, ob Sie Ihren Fortschritt speichern möchten.
Ob die Änderungen beim Einstieg zu mehr Übung führen und ob das Gelernte später angewendet wird, müssen weitere Tests zeigen. Der Feldtest untersuchte diese Wirkung nicht.
Zur Recherche gehören laut derselben Fassung der Bachelorarbeit außerdem 32 auswertbare Antworten auf eine offene Befragung zu Betrugserlebnissen im Juli und drei schriftliche Fachinterviews. Die geschilderten Betrugserlebnisse halfen uns bei der Entwicklung der Szenarien. Eine repräsentative Aussage darüber, wie verbreitet Betrug ist, lässt sich aus dieser Projektbefragung nicht gewinnen.
So sind die Übungen aufgebaut
Eine Erklärung zu lesen und das Gelesene später anzuwenden sind unterschiedliche Aufgaben. Medienkundig fragt deshalb eine Entscheidung ab und gibt anschließend Rückmeldung. Die Website stellt den Aufbau mit Themen und Wiederholungen vor. Unbekannte Begriffe lassen sich im Lexikon nachschlagen.
Für das wiederholte Abrufen gibt es eine Grundlage in der Lernforschung. Agarwal, Nunes und Blunt haben 2021 Studien aus Schulen und Unterricht ausgewertet und Vorteile solcher Abrufübungen gefunden. Das begründet, warum wir den Ansatz verfolgen; die Ergebnisse aus diesem Umfeld sind aber kein Wirksamkeitsnachweis für unsere App oder unsere Zielgruppe.
Ob ältere Menschen mit einem Lernangebot zurechtkommen, hängt auch von der verfügbaren Unterstützung ab. Die OECD beschreibt 2025, dass Angebote unterschiedliche Vorkenntnisse und Lerntempi berücksichtigen müssen. Eine Studie mit 34 Lernbegleitenden in Irland zeigt aus deren Sicht, welche Rolle persönliche Anleitung und praktisches Ausprobieren spielen. Dort werden auch Hindernisse genannt: veraltete Geräte oder fehlende Hilfe im Umfeld.
Für einen nächsten Test würde ich deshalb die eigenen Geräte der Teilnehmenden einbeziehen. Eine Aufgabe kann auf dem Testgerät gut funktionieren und auf dem vertrauten Telefon trotzdem Fragen aufwerfen.
Was die aktuellen Cybercrime-Zahlen zeigen
Das BKA hat im Mai 2026 sein Bundeslagebild für 2025 veröffentlicht. Die Pressemitteilung nennt rund 335.000 registrierte Fälle von Cybercrime im engeren Sinne, davon 207.888 mit Tatorten im Ausland oder unbekanntem Tatort. Dazu kommt laut BKA ein erhebliches Dunkelfeld. Diese statistische Kategorie umfasst nicht sämtliche Formen von Internetbetrug.
Für das laufende Jahr 2026 liegt noch keine vollständige Jahresbilanz vor.
Eine Befragung aus diesem Jahr liefert der Cybersicherheitsmonitor 2026 von BSI und Polizeilicher Kriminalprävention. Im Januar gaben 32 Prozent an, noch keine konkreten Schritte unternommen zu haben, um den Wahrheitsgehalt eines Bildes oder Videos zu prüfen. Das beschreibt die Selbstauskunft der Befragten. Es ist keine Zahl von Betrugsfällen.
Die App mit einer Gruppe ausprobieren
Ein Seniorenbüro oder eine Beratungsstelle wäre ein Ort, um die Übungen mit Begleitung zu erproben. Ein Beispiel für Unterstützung vor Ort: Der DigitalPakt Alter arbeitet 2026 mit zehn Pilotkommunen an Strukturen für digitale Teilhabe.
Dr. Regina Görner, Vorsitzende der BAGSO, sagt zum Start neuer KI-Lernorte am 25. August 2026:
„Digitale Teilhabe ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.“
In der BAGSO-Mitteilung geht es um Orte, an denen ältere Menschen Technik ausprobieren und Fragen stellen können. Für einen Medienkundig-Termin würde ich deshalb bereits beim Zugang Zeit für Unterstützung einplanen.
Für einen ersten Termin könnten Sie etwa 25 Minuten einplanen. Den folgenden Ablauf schlage ich zum Ausprobieren vor; getestet haben wir ihn noch nicht:
- Fünf Minuten zum Ankommen: Die App gemeinsam öffnen. Wer braucht Unterstützung am Gerät? Niemand muss dafür ein Konto anlegen.
- Acht Minuten für eine Aufgabe: Die Teilnehmenden entscheiden selbst. Die Begleitung hilft beim Bedienen, ohne die Antwort vorzugeben.
- Sieben Minuten zum Besprechen: Gemeinsam die Rückmeldung lesen. Jede Person kann erklären, welcher Hinweis ihre Entscheidung beeinflusst hat.
- Fünf Minuten für den nächsten Schritt: Ein anderes Beispiel zeigen oder eine offene Frage für den Folgetermin festhalten.
Wenn schon der Zugang länger dauert, bekommt er diese Zeit. Notieren Sie, wo Hilfe nötig war, und greifen Sie das beim nächsten Treffen auf. Dass jemand alle Aufgaben durchgeklickt hat, sagt noch wenig darüber aus, was davon hängen geblieben ist.
Sie können Medienkundig hier selbst ausprobieren. Den Aufbau erklärt die Methodikseite. Für einen begleiteten Einsatz im Seniorentreff, Kurs oder Beratungsangebot können Sie über Medienkundig ein Pilotprojekt mit Ihrer Einrichtung anfragen. Nennen Sie die Gruppe und die verfügbaren Geräte. Stiftungen und Förderpartner finden dort auch Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.
Recherche und App-Einstieg geprüft am 10. September 2026. Projektquelle: Bachelorarbeit, Fassung vom 14. August 2026, Kapitel 4.3, 5.3 und 7.2.5, insbesondere S. 56–57 und 126–127.